Editorial - Einunddreißig - Das Forum für Tanka

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EDITORIAL
Tony Böhle, Herausgeber

Wer momentan die Nachrichten verfolgt, wird sich den Berichten über die Olympischen Spiele 2020 nicht entziehen können, wie auch den zahlreichen Berichterstattungen und Übertragungen. Und ja, Sie haben richtig gelesen, die Olympischen Spiele 2020, nicht 2021, auch wenn sie in diesem Jahr tatsächlich stattfinden. Es handelt sich ja schließlich nur um eine Verschiebung vom letzten Jahr; abgesehen davon waren ja schon die entsprechenden Logos auf allerhand offizielle Ausstattung und zahllose Merchandise-Artikel gedruckt worden. Anders als die ebenfalls in diesem Jahr nachgeholten Fußball-EM, scheinen es die Spiele von Tokyo unter einem weniger glücklichen Stern zu stehen, denn diese müssen nun doch vor leeren Rängen stattfinden. Ein Absage auf Raten: erst keine ausländischen Zuschauer, dann aufgrund der aktuellen Corona-Infektionszahlen auch ohne einheimische Beobachter. Nur die Presse darf dabei sein und für uns Außenstehende Stadion-Luft schnappen – freilich auch durch eine Maske gefiltert. Welche gespenstische Atmosphäre "Geisterspiele" hinterlassen, ist mittlerweile zur Genüge bekannt. Fehlen einmal Fangesänge, Applaus und gelegentliche Pfiffe, kommt keine wirkliche Stadion-Stimmung auf. Da können auch die buntgewürfelten Farben der Sitze kaum darüber hinweg täuschen, welche die fehlenden Besucher optisch weniger offensichtlich machen soll. Da schienen die teilweise oder ganz gefüllten Stadien als Hintergrundkulisse während der Fußball-EM wie der Biss in eine frische Karotte im Vergleich mit Konservenware. Die Entscheidung für Spiele ohne Zuschauer ist unter den gegebenen Umständen sicherlich schmerzhaft, wohl aber vernünftig.
Doch nicht nur für die Zuschauer sind es besondere Spiele. Während sicherlich die wenigsten der weltweit Millionen Zuschauer live in den Sportstätte dabei gewesen wären und diese ohnehin "nur" im Fernsehen verfolgt hätten, treten die Sportler in ihren Disziplinen vor leeren Rängen an. Wie mag sich das wohl anfühlen?
Ein Gefühl, das uns als Tanka-Autorinnen und -Autoren vielleicht näher steht, wie es den Anschein hat. Die Erfahrung des fehlenden Publikums kennen wohl auch aus vor-Corona-Zeiten sicherlich viele, denn Lyrik verkauft sich nicht besonders gut. Zwar gibt es es Zeitschriften, Foren und Werkstätten, in die regelmäßig Tanka veröffentlichen, doch eine rege Diskussionskultur um das, was dort geboten wird, fehlt hierzulande noch. Und auch wer sich selbt bis zu einer Lesung durchringen kann, hat es im Moment wegen der andauernden Pandemie-Lage schwer. So treiben auch wir unseren Sport oft vor einem quasi leeren Stadion. An Ende können auch wir uns nur mit dem alten olympischen Motten trösten: Dabeisein ist alles! Wirklich alles? Nun ja, vielleicht doch nicht ganz, aber doch schon einiges. So lade ich alle literarischen Athleten, Fans und Beobachter zur August-Ausgabe von Einunddreißig ein!
Herausgeber:
Tony Böhle
Bernsdorfer Str. 76
D-09126 Chemnitz
Redaktion:
Tony Böhle
Valeria Barouch
Mail: einsendung@einunddreissig.net
(C) 2021. Alle Rechte bei Tony Böhle und den AutorInnen.
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