Editorial - Einunddreißig - Das Forum für Tanka

Direkt zum Seiteninhalt
EDITORIAL

Liebe Freundinnen und Freunde des Tanka-Magazins "Einunddreißig",

mittlerweile befinden wir uns in einer Zeit des Übergangs. Die Abenddämmerung ist bereits ein Stück weit nach hinten gerückt, man kann um 17 Uhr noch einen erbaulichen Spaziergang unternehmen, die Vögel stimmen ihre fröhlichen Lieder an, Schneeglöckchen und Winterlinge künden das Winterende und die Gartenmärkte tun ihr übriges, um den Frühling bereits im Februar auszurufen. Dabei herrschte noch vor wenigen Wochen Glatteis und mancherorts lagen dicke Schneepolster auf Gärten und Gehwegen. Schließlich weiß man noch nicht, ob das Thermometer noch einmal den Gefrierpunkt deutlich unterschreiten wird. An das Wegräumen der Winterjacken ist also noch nicht zu denken.

Diese Zeit kann zu einem innerlichen Verharren führen, weil man es noch nicht wagt, sich der Vorfreude auf das Frühjahr hinzugeben. Da heißt es eher, Abwarten und den letzten Weihnachts-Wintertee trinken mit Aromen von Zimt, Vanille, Anis und Kokos. Vielleicht ist es auch die Zeit, in der man die Wohnung allmählich umdekoriert oder sich von einigen einst liebgewonnenen Gegenständen trennt, weil der Lenz schließlich zum vermehrten Aufenthalt im Freien und damit zu neuen Käufen lockt, zu einer Aufbruchstimmung, zu neuen Vorhaben und Zielen, die jetzt vorbereitet werden sollten.

Dieses Verharren-Müssen kann jedoch auch lähmen. Jedenfalls geht es mir manchmal so. Dann hilft mir nur, die anstehende Arbeit zu erledigen und möglichst täglich eine Runde zu gehen. Vor mir liegen beispielsweise Jahresabschluss-Arbeiten und die Planung und Durchführung des Haustürwahlkampfs in meinem dörflichen Stadtteil vor der baldigen Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Aber für eigene Kreativität fehlt mir in dieser Zeit die Motivation.

Dazu kommt, dass die täglichen Weltnachrichten nicht dazu angetan sind, helle Freude zu bereiten. Im Gegenteil. Das Ausloten der inneren Erträglichkeits-Richtschnur bereitet mir gelegentlich Kopfzerbrechen. Wo höre ich auf zu lesen und in den sozialen Medien zu kommentieren? Wo finde ich inmitten der vielen negativen Meldungen die hoffnungsvollen Erfindungen und Entwicklungen? Und stecke ich andere Menschen womöglich mit meinem Pessimismus an, wenn ich weitere Unheils-, Skandal- und Verbrechensnachrichten teile?

Da tut es als Gemüts-Booster gut, einen kleinen Garten, Vorgarten oder Balkon zu haben, den es nun auch auf- und umzuräumen gilt, um der bald erblühten Natur den Weg zu ebnen, damit sie uns in einigen Wochen mit ihrer Kraft zu weiteren neuen Vorhaben und Ideen animiert. Zu einer Vorfreude auf schöne Ausblicke oder bedeutsame Ziele, wie auch auf ein Wiedersehen mit Freunden und Gleichgesinnten, auf all diejenigen Menschen, mit denen uns viel verbindet. Damit die Sehnsucht nach Zugehörigkeit wieder Erfüllung finden möge und wir die Begegnung und den Austausch als ein bunt blühendes Beet wahrnehmen.

Mit zuversichtlichen Grüßen und besten Wünschen
Birgit Heid
Herausgeber:
Tony Böhle
August-Bebel-Str. 15a
09577 Niederwiesa
Deutschland
Redaktion:
Tony Böhle
Valeria Barouch
Birgit Heid
Mail: einsendung@einunddreissig.net
(C) 2026. Alle Rechte bei Tony Böhle und den AutorInnen.
Zurück zum Seiteninhalt