TANKA-AUSWAHL MAI 2026
Redaktion: Tony Böhle & Valeria Barouch
Reiner Bonack
FRÜHLINGSNACHT,schlaflos lang –wird denn die Nachtigallim Baum vor dem Fensterniemals heiser
JUNIMORGENIch humpele zum Optiker,während Mohnblütenim Garten vor der Stadtauf einen Betrachter warten
Brigitte Ten Brink
längst verlassendas alte Haus am See –an hellen Tagenist es als streife nochein Lachen durch die Räume
Ralf Bröker
gestern noch Schneeauf unseren Wegenheute scheintdie Sonne aufalten Geschichten
dein Lebenkenne ich dochnicht so gutder harte Akzentdes Trauerredners
allein unterwegsder leere Ackerwie eng meine Brustan die ich dichnicht mehr drücken kann
Tortensonntagzwischen Handwerkerrechnungenund Steuererklärungendas Aussortierenvergangener Weihnachten
Strandspaziergangder Duft deiner Haareund wohinwir gehenweiß der Wind
in der Wehrpflichtdebattewie sie energischMut und Einsatz forderndie Wirhattenjanichtsvon den Weicheiern
Pitt Büerken
zugezogenfür die Nachbarn warenwir Fremde;erst für deren Kindergehörten wir dazu
Gabriele Hartmann
in der Drehtürbegegnen sich Patientenund Entlasseneauf deren Lippen ein Versvom Frühlingsanfang
Schneeregen fälltmir ins Herz – wäre da dochein liebes Wortich ließ’ Schaufel und Besenfallen
Eva Limbach
festlich gedeckt mitdem frisch polierten Silberdie Weihnachtstafel –im Film wäre ich sicherdie Frau mit dem Whiskyglas
Deborah Karl-Brandt
Größtenteils sonnigmit kurzen Schauern…Das Gesicht des Babysganz rot vom Weinenbevor es wieder lacht
Diana Michel-Erne
dein Primärtumorund seine Absiedlungenin der Bildfusionunerbittlich werde ichzur Elitekämpferin
Antonio Mimmo
Zwischen den Ästenunsichtbare Windetauschen Stimmen aus.Manchmal klagen sie zornig,manchmal flüstern sie Frieden.
Willemina Preiß
Überwinterungsie entriegelt die Türdes alten Gartenhäuschensein Tagpfauenaugeentdeckt den Weg zur Sonne
Wolfgang Rödig
Eine Bekannteaus unserer Jugendzeithat mich gleich wiedererkanntund schwärmt nun von früher.Ich weiß noch nicht, wer sie ist.
Marie-Luise Schulze Frenking
einnickenüber der Zeitungwegdämmernallmählich sich entfernenvon der Welt
seit Rentenbeginnphilosophisch unterwegslöst er Weltfragendaheim bleibt alles liegenwo er es fallen lässt
Angelica Seithe
Wie die Abendsonnedie kahlen Sträucher färbthinterm Zaunals würde nichts unstrennen
Frauen mit Schirmeine hinter der andernwie die Alleebäumeeingetauchtin den spiegelnden Asphalt
Friedrich Winzer
alte Eichedie knorrige Rindeerinnert michan die Händemeines Großvaters
jeden Morgenbetrachte ich unbemerktmeine Frauwie sie liebevollmeine Brote schmiert
[zurück]