Tanka-Kommentar (Barouch) - Einunddreißig - Das Forum für Tanka

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EIN KOMMENTAR ZU EINEM TANKA VON FRIEDRICH WINZER
Valeria Barouch

jeden Morgen
betrachte ich unbemerkt
meine Frau
wie sie liebevoll
meine Brote schmiert

Wir kennen alle das alte Sprichwort "Liebe geht durch den Magen". Es stammt wohl aus Zeiten als die Frauen ihr Zepter vorwiegend in der Küche schwangen und der Herr des Hauses auszog um die Töpfe unter dem Zepter zu garnieren. Ein mit Sorgfalt zubereitetes Mahl galt als Liebesbeweis und sollte nicht nur den Ehemann, sonder seine Zuneigung nähren. Heute gehen oft beide Partner einer Berufstätigkeit nach und so geht die Liebe zwar immer noch gerne durch den Magen, aber über den Umweg eines guten Restaurants. Eine Einladung von ihm oder von ihr für einen Moment des Austausches ferne der Alltagsroutine lässt bei manchen mehr Glückshormone frei als das Essen am häuslichen Herd.
Mit dieser Entwicklung vor Augen, spricht uns dieses Tanka durch seine heimische Atmosphäre an. Sie bereitet für ihn Brote vor, "liebevoll" wie er jeden Morgen von ihr "unbemerkt" beobachten kann. Ein rührendes Bild, doch nach nochmaligem Durchlesen ist man versucht zu fragen wie er diesen Liebesbeweis beantwortet. Ich stelle mir ein gut eingespieltes Team vor, deren Zuneigung in Taten statt in Worten Ausdruck findet. Vielleicht bereitet er für seine Frau den Kaffee vor, mit genau der richtigen Menge Zucker und Milch, so wie nur er weiß wie sie ihn liebt. Mit jedem Schluck kostet sie dann stillschweigend seine Wertschätzung.
Herausgeber:
Tony Böhle
August-Bebel-Str. 15a
09577 Niederwiesa
Deutschland
Redaktion:
Tony Böhle
Valeria Barouch
Birgit Heid
Mail: einsendung@einunddreissig.net
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